Zoo-Besucherin von Eisbär schwer verletzt



Eine junge Frau aus Köpenick ist gestern Vormittag im Zoo von einem Eisbären angegriffen und schwer verletzt worden. Die offenbar geistig verwirrte 32-Jährige war um 10.28 Uhr - kurz vor der planmäßigen Fütterung der Eisbären - in den Wassergraben der Anlage gesprungen, um - so Zoo-Kurator Heiner Klös - "mit den Bären zu schwimmen".
Im Wasser wurde sie sofort von einem Eisbären attackiert und mehrfach gebissen.
Durch Zoo-Besucher alarmiert, versuchten Pfleger sofort, das Tier mit Hilfe von Futter und Stangen von weiteren Angriffen abzuhalten. Gleichzeitig warfen sie zwei Rettungsringe ins Wasser, um die Verletzte zu bergen. Dies gelang jedoch erst nach mehreren Versuchen. Die Frau, die nach Polizeiangaben schwere Bissverletzungen an Armen, Händen, Beinen und am Rücken erlitten hatte, wurde von einem Notarzt zunächst am Ort versorgt und anschließend zur weiteren Behandlung ins Rudolf-Virchow-Klinikum der Charité gebracht. Die Frau soll nicht in Lebensgefahr schweben. Die Tierpfleger, von denen sie gerettet wurde, erlitten Abschürfungen, aber keine ernsten Verletzungen.
Eine der Augenzeugen war Imke Wiethoff aus Duisburg, die mit ihrer ganzen Familie den Zoo besuchte. Sie berichtete: "Etwa 50 Zoo-Besucher warteten auf die Fütterung der Eisbären als plötzlich eine Frau laut 'Hilfe, Hilfe!' rief und wild gestikulierend auf das Wasser zeigte. Erst habe ich gedacht, ein Kind ist reingefallen. Aber dann sah ich eine Frau schwimmen." Andere Augenzeugen sagten, dass die Frau erst ihre Schuhe ausgezogen habe und dann aufs Geländer am Rand der Eisbären-Anlage gestiegen sei. Anschließend habe sie sich die Nase zugehalten und sei in den Wassergraben gesprungen. Nach den Hilferufen seien aber sofort mehrere Tierpfleger herbeigeeilt, die versuchten, die Eisbären von der Frau abzuhalten. "Die haben dann einen Rettungsring ins Wasser geworfen, der ist aber kaputtgegangen", berichtete die 13-jährige Jana Wiethoff. Erst nach mehreren Versuchen sei es den Tierpflegern mit Hilfe eines Seils gelungen, die Frau aus dem Wasser zu ziehen. Der Vorfall hätte "noch schrecklicher" ausgehen können, so Zoo-Kurator Klös. Eisbären seien Raubtiere, in deren Gehege auch kein Pfleger gehe. Welcher der vier Eisbären in der Anlage die Frau angegriffen hat, wollte Klös nicht sagen. Es sei aber nicht Tosca, die Mutter vom Zoo-Publikumsliebling Knut gewesen. Im Gehege leben neben Tosca noch Eisbär-Mann Lars und die Weibchen Nancy und Katjuscha.
Knut selbst ist einem anderen Freigehege untergebracht und erfreute sich des gewohnt großen Interesses der Zoo-Besucher.
Auch für die anderen Eisbären hat der Zwischenfall keine unmittelbaren Folgen. Sie dürfen sich weiter frei in ihrem Gehege bewegen. Mittags suchten sie Abkühlung im Wassergraben und spielten mit einem roten Eimer und einem gelben Ball. Lediglich einige im Wasser schwimmende Holzstangen erinnerten noch an das Geschehen am Vormittag.
Erst im Dezember 2008 hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Damals war ein 37 Jahre alter Mann aus Cottbus in das Gehege des Eisbären Knut geklettert. Polizisten hatten den Mann aus der Felsenlandschaft geholt, nachdem Pfleger das Raubtier in einen verschließbaren Bereich der Anlage gelockt hatten. Verletzt wurde der Mann nicht. Damals wurden Forderungen nach besseren Sicherheitsvorkehrungen laut.
Dies wird von Bären-Kurator Klös auch nach dem jüngsten Zwischenfall abgelehnt: "Die Frau wäre auch über die Absperrung geklettert, wenn der Zaun noch höher gewesen wäre", sagte Klös. Das Eisenbären-Gehege wird zur Zuschauerseite hin durch ein hüfthohes Metallgeländer, eine stachlige Hecke und eine Mauer gesichert.
Der Zoo reagierte auf den Zwischenfall mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen die Frau. Die 32-Jährige soll nach Angaben eines Polizeisprechers noch psychiatrisch untersucht werden.

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