Jeder will ihn, aber keiner weiss genau, wie man ihn definiert: den Fahrspass. Mercedes hat das Phänomen erforscht und will diese neuen Erkenntnisse für künftige Modelle nutzen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und sein Herz trägt man auf der Zunge. Was nach platten Volksweisheiten klingt, sind für Goetz Renner psychologische Gesetze, die ihn in den letzten Jahren intensiv beschäftigt haben. Weil der Leiter der Mercedes-Benz-Konsumentenforschung schon lange ein objektives Mass für Fahrspass haben wollte und in der Diskussion mit Ingenieuren harte Zahlen mehr bringen als weiche Einschätzungen, hat er gemeinsam mit Forschern der Technischen Universität München und dem Fraunhofer-Institut in Rostock zum ersten Mal wissenschaftlich untersucht, wann Menschen am Steuer eines Autos wirklich Spass haben und welche Eigenschaften ein Wagen dafür mitbringen muss. Die Spassstudie fusst auf drei Säulen. Zum einen haben die Forscher ihre Probanten während der halbstündigen Fahrt über eine abgesperrte Teststrecke natürlich befragt. Doch viel wichtiger waren ihnen die Analyse von objektiven Kriterien wie der Mimik und der Stimme. Denn Psychologen gehen davon aus, dass die 43 Muskeln im Gesicht feinfühlig jede Erregung widerspiegeln und immer im gleichen Schema reagieren. Egal, aus welchem Kulturkreis ein Proband kommt: Immer zieht es ihm beim Lachen die Mundwinkel nach aussen, und wenn er erstaunt ist, reisst er den Mund auf und zieht die Augenbrauen in die Höhe. Deshalb haben die Forscher im Auto eine Kamera installiert, mit deren Hilfe eine Software permanent 140 Punkte im Gesicht abtastet und die aktuelle Stimmungslage registriert. Parallel dazu haben sie die Stimme der Fahrer analysiert und aus Tonlage, Sprechgeschwindigkeit, Betonung und über 1000 anderen Merkmalen ermittelt, ob und wann der Fahrer oder die Fahrerin «gut drauf» ist. Vordergründig wollten die Schwaben mit dieser Pilotstudie zunächst einmal die Instrumente ihrer Kundenforschung prüfen und schärfen: «Wir wollten wissen, ob wir den Angaben unserer Probanten tatsächlich trauen konnten», fasst Mercedes- Forscher Martin Tischler das kurzfristige Ziel von einer gewisse Objektivität im subjektiven Empfinden zusammen. Doch hintergründig wollen die Konsumentenforscher mit diesen Methoden Gesetzmässigkeiten ableiten und daraus einen Forderungskatalog erstellen, den sie in die Entwicklung tragen können: «Wir geben den Kollegen Gestaltungsempfehlungen mit auf den Weg», sagt Tischler: So muss ein Auto konstruiert sein, damit es dem Kunden Spass macht. «Natürlich wissen die Ingenieure sehr genau, wie man gute Autos baut», gibt sein Chef Renner zu. Doch manchmal müssten die Entwickler einfach neu geerdet und ihr Blick für die Bedürfnisse der ganz normalen Kunden geschärft werden. «Dabei ist der Fahrspass keine Frage der Motorleistung», räumt Tischler mit den gängigen Vorurteilen auf. Sondern in.......
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