Immer mehr Männer haben nur noch Sex vor dem Computer-Bildschirm. Dafür herrscht in vielen Ehebetten Flaute. Sexualtherapeutin Esther Elisabeth Schütz (59) schlägt Alarm: «Sexuelle Lustlosigkeit bei Männern ist das neue Thema.» War es früher oft die Frau, die ihren ehelichen Pflichten mit vorgetäuschten Kopfschmerzen zu entkommen suchte, reden sich heute vermehrt die Männer heraus. «Für zehn Prozent meiner Klien­ten wirkt der Körper der eigenen Frau nicht mehr als sexuelle Stimu­lanz», erklärt Schütz. Die Leiterin des Instituts für Sexu­al­therapie in Uster ZH kennt eine der wesentlichen Ursachen: «Die Männer sind oft im Internet, schauen sich Pornos an und onanieren ­dabei.» Die eigene Frau wirke dann für viele langweilig. Wochen- oder monatelang, manchmal auch für immer, herrscht Flaute im Ehebett. Ein Phänomen, das auch der Zürcher Psychoanalytiker und Buch­autor Markus Fäh (50, «Der perfekte Mann») kennt. Der Paar­therapeut wird in seiner Praxis immer wieder damit konfrontiert. «Cybersex ist easy zu bekommen und wird zur Sucht. Mann kann es sich einfach machen: Er muss so keine Partnerin berücksichtigen und befriedigen.» Die Universität von San José im US-Bundesstaat Kalifornien hat die Auswirkungen von Sex vor dem Computer untersucht. Die Studie zeigt: 15 Prozent aller Internet-User schauen sich regelmässig Pornoseiten an und neun Prozent sind süchtig nach der schnellen Bildschirm-Erotik. Sie surfen bis zu zwanzig Stunden pro Woche auf der Suche nach dem virtuellen Kick. Oft zu Bürozeiten: Porno­seiten verzeichnen die meisten Besucher zwischen 9 und 17 Uhr. Vor dem Computer statt zu zweit im Bett: ein neuer Trend, der sich weltweit durchgesetzt hat. In Japan klagen jetzt sogar schon die Kondomhersteller über massive Verluste. Seit Einführung des Breitband-Internets 2004 ist der Gummi-Absatz deutlich rückläufig: minus 43 Prozent. Und dies, ohne dass die Infektionsrate bei HIV gestiegen ist. Beim grössten Produzenten Okamoto ist man sich deshalb sicher: Durch den schnellen und günstigen Zugang ins World Wide Web verbringen viele Japaner die Nacht vor dem Bildschirm statt im Ehebett. Fast täglich tauchen neue Pornoseiten im Netz auf. Stündlich werden sie millionenfach angeklickt. So auch die Seite youporn.com, ein Internetportal, auf das jedermann sein ganz privates Pornofilmchen hochladen kann. Ihre Sucht nach Cybersex halten Männer fast immer vor der Partnerin geheim. Fliegen sie auf, kommt es zum Eclat. Esther Elisabeth Schütz: «Die Gattin fühlt sich zurückgewiesen und als Frau nicht mehr bestätigt.» Eine Situ­ation, die leicht zur Trennung führen kann. So stellen auch Scheidungsanwälte fest: Immer mehr Ehen scheitern wegen Cybersex.........

So, 29/06/2008 - 09:23 - Themen: , , , ,