Ein Computeraktivist irritiert mit virtuellen Graffiti.
In Tauschbörsen kursieren Hollywoodfilme, deren Inhalte raffiniert verändert wurden. Der Künstler hinter der Aktion bezeichnet seine Veränderungen als «Netz-Graffiti». Bruce Willis ist im Kinofilm «Die Hard 4» wahrlich nicht zu beneiden. Allein auf weiter Flur kämpft er gegen amerikanische Cyberterroristen. Sie hacken die Pentagoncomputer, legen das ganze Land lahm und kapern sämtliche TV-Stationen: Durchs Fernsehen senden die Hacker der Bevölkerung ihre Botschaft zu: «Glaubt niemandem, nicht den Politikern, nicht der Polizei, macht eure eigenen Gesetze – http://www.netgraffiti.tk». Aber halt, da stimmt doch was nicht! Richtig. Diese Webseitenadresse ist im Originalfilm nie zu sehen, sie wurde in die illegale Tauschbörsenkopie täuschend echt reingeschmuggelt. Hinter der Aktion steht ein Internetaktivist mit dem Pseudonym LEN M. Er nennt seine Aktionen Net Graffiti, er besprayt also virtuell ein Objekt, fast genauso wie die Wandmalereien, die Tags und Graffiti der Sprayer in der realen Welt. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» gab er an, dass er ursprünglich aus der Graffitiszene stammt und schon damals seine Werke mit LEN M kennzeichnete. «Da ich möglichst viele Leute mit meinen Werken ansprechen will, lade ich zu einem frühen Zeitpunkt Filme oder Software herunter, die momentane Hits sind und von denen ich vermute, dass sie in den Tauschnetzwerken oft heruntergeladen werden», sagt LEN M. Seit Anfang 2007 nimmt er sich Hits wie «Prison Break», die «Simpsons», «Spiderman 3» oder «Ocean’s 13» vor und verewigt sich dort, indem er meist einen gut versteckten Hinweis auf seine Webseite setzt; die Struktur des Films lässt er dabei unangetastet. Dann lädt LEN M die Filme wieder ins Tauschnetzwerk von Bittorrent, und die Masse der Filmherunterlader sieht unverhofft seine Botschaft. Da das illegale Filmherunterlanden heutzutage geradezu zum Volkssport geworden ist, erreicht LEN M damit enorm viele Leute, wie auch die Reaktionen auf seinen Webseiten nahelegen. Gegenüber dem TA sagt er, einige Zehntausend Personen hätten seine Webseite schon besucht. Nicht wenige Tauschbörsennutzer sind ob seinen Aktionen begeistert. So schreibt «Oscarito» auf LEN Ms Myspace-Webseite: «Habe dein Werk gesehen, dachte, es sei Teil des Originalfilms», und ein anderer meinte, er würde von nun an alle Filme genauer anschauen, um die versteckten Botschaften zu finden. Doch es gibt auch ganz andere Reaktionen. Im vollen Bewusstsein, dass sie illegal einen Film heruntergeladen haben, melden sich einige verärgert und beschimpfen LEN M aufs Heftigste – der Hacker wird plötzlich.......
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