
... oder wie man in der Domäne der Rosenkenner eine gute Figur macht!
Die Rose entwickelte sich in ihrer Wildform auf der nördlichen Erdhalbkugel. Wir alle kennen sicher die wilde Heckenrose mit ihren ungefüllten, fünfblättrigen Blüten. Diese sogenannten "botanischen Rosen" sind die Urform der gut dreitausend in unseren Gärten vertretenen Sorten.
Die "alten" Rosen entstanden aus den Wildformen und blühen nur einmal im Jahr. Ihre robuste NAtur ist kein Märchen, ihr Duft immer erlesen intensiv und erlesen.
"Die "Gallica-Rosen" mit ihren üppigen, dunklen Blütenflor und geringen Dornenbesatz bilden die älteste Gruppe, schon die alten Griechen und Römer kannten sie. Zusammen mit den Alba-Rosen (deren Farbpalette von Reinweiß bis zu Dunkelrosa reicht) bilden sie die beiden Hauptgruppen unter den in Europa seit der Antike bis zum 18. Jahrhundert kultivierten Rosen.
Die "Damascena-Rosen", in der Färbung blasser als die Gallica-Rosen, kamen im Gepäck der Kreuzfahrer nach Europa. Einer von ihnen, Theobald IV., Graf der Champagne (und König von Navarra) brachte eine Gallica-Rose mit, die berühmte "Rose de Provins", auch Apotheker-Rose genannt, da sie Duftwassern und Salben beigegeben wurde.
Durch Einkreuzen der Alba-Rosen mit den Damascena-Rosen züchteten die holländischen Botaniker seit dem 16. jahrhundert die sogenannten "Zentifolien". Hierbei handelt es sich um jene "pausbackigen" vielblättrigen Rosen, die in der Genremalerei der alten Meister so häufig dargestellt und sogar auf Fayencen verewigt wurden. Die Moosrosen unterscheiden sich von den Zentifolien lediglich durch die für sie charakteristische Memoosung ihrer Kelchblätter.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts löste die Einführung der "China-Rosen" und "Bengal-Rosen" eine regelrechte revolutionäre Entwicklung aus. Ausgerechnet die Einkreuzung dieser Rosen mit den alten Rosen brachte unsere modernen Rosen hervor. Ohne diese Verbindung gäbe es zum beispiel keinerlei "Remontant-Rosen" (Rosen die während der Saison öfter oder wiederholt blühen).
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen - wiederum aus China - die "Teerosen", deren Duftblüten die Rosenfreunde im Sturm eroberten.
Während des gesamten 19. Jahrhunderts kreuzte man Rosen ohne Unterlass. Neue Familien entstanden, die man "Bourbon"-, "Portland"-, "Noisette"- oder "Tee-Noisette-Rosen" taufte.
Das Einkreuzen von Bourbon-Rosen mit Gallica-, Zentifolia-, Damascena, Bourbon- und Teerosen brachte öfter blühende Hybriden hervor, auf die man große Hoffnungen setzte. Leider erwiesen sich diese Züchtungen bald als wenig blühfreudig und alles andere als robust.
Dennoch zahlte sich die Beharrlichkeit der Züchter letztendlich aus. Aus der erfolgreichen Einkreuzung einer Remontant-Hybride mit einer Teerose entstand die Teehybride, die "moderne Rose" schlechthin. Mit "La France" schuf der Züchter Jean-Baptiste Guillot 1867 eine neue Generation von Rosen, Teehybriden oder großblütige Rosen genannt. Es handelt sich hierbei um eine gleichermaßen robuste wie elegangte Rose, die vor allem eine dauerhafte Blüte garantiert.
Im 20. Jahrhundert galt die Aufmerksamkeit der Fachleute uneingeschränkt den Teehybriden. Im Zuge dessen leistete man zusätzlich geburtshilfe für die "Polyantha"- und "Floribunda-Rosen" sowie für die ersten "Bodendeckerrosen".
Gerade so als gereiche diese Vielzahl an Sorten den Rosenzüchtern noch immer nicht zu ihrem Glück, arbeiten einige seit geraumer Zeit verbissen daran, Spielformen zu züchten, die von jeder Rosensorte nur die besten Eigenschaften entlehnen. Züchterisches Ziel sind moderne Rosen, gleichermaßen krankheitsresistent wie öfter blühend, jedoch mit dem üppigen Blütenflor und altmodischen Charme alter Rosen.
Die lange Geschichte der Hybridisierung bzw. Sortenkreuzung mutet sicher etwas kompliziert an. Doch seien sie beruhigt: Keine Rose in ihrem Garten verlangt von ihenen genaue Kenntnisse über ihren Stammbaum, damit sie blüht und gedeiht.

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